Der

Widerspenstigen

Zähmung

 

Inszenierung: Werner Müller

DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG

 

Dieser zunächst genitivisch verspielte und verschnörkelte Titel heißt zunächst nüchtern und klar „Zähmung  einer Widerspenstigen“ (The Taming of the shrew ), was zur Zeit Shakespeares oftmals ein sehr brutaler Vorgang war. Shrew ist ein Schimpfwort für eine Frau, die nicht so ist, wie sie nach Meinung der Männer sein sollte. In der deutschen Sprache gibt eine Unmenge möglicher Übersetzung: Beißzange, Bißgurn, Keifgurke, Kreische, Kratzbürste, Krawallschachtel, Schandmaul, Weibsteufel, Widerbellerin, Zankeisen und Zeterweib. Im typischen Analogiedenken der elisabethanischen Zeit wurde die Ehe mit dem Staatskörper gleichgesetzt: Wie der König über den Staat, so herrscht der Mann über die Familie. Und so wie ein Staat nicht gedeihen kann, dessen Untertanen rebellieren, so kann auch eine Ehe nicht fruchten, wenn die Autorität des Mannes angegriffen wird. So dachte mann! Jedoch schon zur Zeit Shakespeares hörte man andere – gleichberechtigende- Töne: Die Sucht zu herrschen ist vom Teufel gestiftet, da keiner  –weder Mann noch Frau –dem anderen Raum gibt.

Diese üble Sünde der Herrschsucht, des sturen Eigenwillens führt dazu die Liebe der Herzen zu zerbrechen und zu zertrennen. Neben die alte autoritär-patriarchalische Familienstruktur Inklusive Prügelstrafe (für die Frau) wurde ein neues Modell gesetzt: Das partnerschaftliche Miteinander. Die Ehe wurde zur kameradschaftlichen Kampfeinheit im harten (Wirtschafts) Leben der Zeit Shakespeares, die nur erfolgreich und profitabel sein kann, wenn jeder den Platz des anderen achtet. Natürlich gibt es am Anfang einer Partnerschaft kleinere und mittlere Kämpfe, um die Reviere und die Zuständigkeiten abzustecken: Es gilt, (sich) zusammen zu raufen

So gesehen hat Shakespeares Stück schon zu seiner Zeit den Anspruch erhoben, mit dem fortschrittlichen elisabethanischen Zeitgeist in erster Reihe marschiert zu sein.

 Diesen Gedanken führt unsere Inszenierung weiter und „modernisiert“ ihn in gewisser Weise: Und somit ist der Titel unseres Stückes anders zu lesen:

DIE ZÄHMUNG DER WIDERSPENSTIGEN

– also Genitiv Plural – und zur Gruppe der Widerspenstigen gehören nicht nur Frauen, sondern auch Männer...


Mit: Georg Engelhard (Baptista), Hans Gsänger (Vincentio), Klaus Metzger (Lucentio), Thomas Schattner (Petruchio), Willi Weigand (Gremio), Peter Schierz (Hortensio), Wolfgang Treitz (Tranio), Frank Harzbecker (Biondello), Karl Schnitzlein (Grumio),  Karin Engelhard (Katharina), Esther Schattner (Bianca), Beate Hammerl (Fiametta), Petra Höfer (Witwe), Michael Erhard (Reisender), Annelore Weigand (Schneiderin), Lexi Lehmeyer (Hutmacherin); Kurt Mayer (Diener).

Günther Fink (Musik)

 

Bilder Finale

Bilder Hochreuther

Bilder zur Premiere 

Bilder zur Premiere

Bilder zur Generalprobe

Probenbilder 2004