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Spielzeit 2009 |
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nach Johann Nepomuk Nestroy in Bearbeitung von Werner Müller
Lumpazivagabundus
Der böse Geist Lumpazivagabundus oder „Das liederliche Kleeblatt“ ist eine von Johann Nestroy verfasste Zauberposse des Alt-Wiener Volkstheaters. Sie wurde am 11. April 1833 in Wien uraufgeführt und 1835 gedruckt. Die Musik zu diesem Stück schrieb Adolf Müller. Weiter werden hier auch mehrere Anspielungen auf Shakespeares Sommernachtstraum geboten. Die Handlung basiert vor allem auf Das große Los von Carl Weisflog.
Zu dieser Zeit weist Nestroys Rollenbuch bereits 497 Rollen auf, die dem Possenschreiber bis dahin schon einen gewissen, gehobenen Status beschert haben. Durch seinen eindringlichen Blick, die grotesken Bewegungen, seinen unverwechselbaren Darstellungsstil der akrobatischen Sprachgewandtheit und dem immer wieder auftauchenden Sarkasmus, bringt er die Menge zum Toben und verursacht regelrechte Lachkrämpfe unter dem Publikum.
| Die Personen
Johann Nestroy Ralph Edelhäußer Leim, ein Tischlergeselle Karl Schnitzlein Knieriem, ein Schustergeselle Thomas Schattner Zwirn, ein Schneidergeselle Frank Harzbecker Lumpazivagabundus Klaus Metzger Frau Foruna, die Glücksgöttin Anne Weigand Hobelmann, ehrbarer Schreinermeister Willy Weigand Peppi, seine Tochter Beate Hammerl Anastasia, seine jüngste Tochter Julia Metzger Gertraud, Haushälterin im Hause Hobelmann Alexandra Lehmeier Knitsch, Hausdiener im Hause Hobelmann Georg Engelhardt Strudel, Verlobter von Anastasia Max Schnitzlein Pantschin, Wirtin im "Goldenen Hirsch" Maria Hemmerich Hannerl, Bedienung im "Goldenen Hirsch" Jenny Maurer Fassel, Hausknecht Kurt Mayer Nannette, Hausmädchen bei einem Professor Frauke Kupka Reserl, Putzmacherin Manuela Grasl Lena, uneheliche Tochter von Reserl Anna-Lena Harzbecker Eine Hausiererin Julia Wilke Sänger im Wirtshaus Fink an der Quetsche Günther Fink Reinhard Reinhard Wiersbitzki Reinhold Reinhold Marino Rainer Rainer Horner |
Das Werk ist eine Zauberposse mit Gesang in drei Akten, die das Leben von drei Handwerksgesellen beschreibt, denen durch eine Machtprobe zwischen Fortuna und der Liebesfee Amorosa das große Los beschert wird. Zwei der drei Burschen treten zuerst das Glück mit den Füßen und werfen es hinterher beim Fenster raus, doch da letztlich die wahre Liebe siegt, kann der böse, verführerische „Unglücksgeist“, der die Knaben befallen hat, gebannt werden und Amorosa triumphiert.
Der Geist Lumpazivagabundus befällt im Reich der Feen einige Söhne und bewirkt einen Streit zwischen der Hüterin des Glücks, Fortuna und der Liebesfee Amorosa. Während Fortuna davon überzeugt ist, dass nur Geld die verderbten Knaben von ihrer Trink- und Spielsucht losreißen kann, ist Amorosa der Meinung, dass nur die wahre Liebe am Ende siegen werde. Dies ist der Auslöser dafür, dass die beiden Feen beschließen, ihre Macht an drei Handwerksgesellen zu testen, denn falls Amorosa über Fortuna triumphiert, wird es ihren Kindern gestattet sein zu heiraten. Der Tischler Leim, der Schneider Zwirn und der Schuster Knieriem treffen sich durch Zufall in der herrlichen Stadt Ulm und beschließen, gemeinsam die Nacht in eine Gästeunterkunft zu verbringen. Im Traum erscheint allen die Zahl Nr. 7359, welche Fortuna ihnen im Schlaf erschienen ließ. Am nächsten Tage, gewinnen die Gesellen mit dieser Nummer in der Lotterie hunderttausend Taler, welche untereinander aufgeteilt werden. Auf diesen Glückstreffer beschließen alle drei sich in einem Jahr, auf den Tag genau beim Wiener Tischlermeister Hobelmann zu treffen, zu dem sich Leim sofort begibt, um dessen Tochter Peppi zu heiraten, welche er vor einiger Zeit wegen einem großen Missverständnis verließ , dies nun bereut und um seine große Liebe kämpft. Der Schneider eröffnet mit seinem Anteil des Geldes in Prag eine Werkstatt, doch einige hinterlistige Bedienstete, die sich als seine Kumpanen und Freunde ausgeben, treiben ihn in den Ruin. Der Schustergesell ist von dem Irrglauben befallen, dass die Welt in einem Jahr sowieso von einem Kometen zerstört wird und es sich daher nicht lohnt, ein moralisches und anständiges Leben zu führen. Darum beschließt er, seine dreiunddreißigtausend Taler zu versaufen. Ein Jahr nach ihrem großen Glückstag begeben sich Zwirn und Knieriem zum besagten Treffpunkt, doch alles was sie vorfinden, ist ein Brief . Der Brief beinhaltet, dass Leim erkrankte, sein Geld verlor und sich momentan im Krankenhaus aufhalte, er habe ihnen aber 10000 Taler bei seinem Hobelmann gelassen und hofft, sie noch einmal vor seinem sehr, sehr frühen Ende zu sehen. Doch dies sei nur ein Test um zu prüfen, ob der Schneider und der Schuster ihre Gutmütigkeit nicht verloren haben, wie es sich später zu deren Wohlergehen herausstellt, da sie sofort sagen, sie wollten zu ihm nach Nürnberg fahren und ihm die beste medizinische Versorgung um die 10000 Taler zukommen zu lassen. Aber der Tischlergeselle Leim ist in Wirklichkeit bei bester Gesundheit, sein Vermögen ist noch um einige tausend Taler und um seine bereichert worden und er ist glücklich mit seiner geliebten Peppi liiert. Zur Folge wird den beiden Gesellen eine zweite Chance geboten, doch sie werfen das Glück erneut zum Fenster hinaus und Leims Bemühungen, Zwirn und Knieriem zu einem korrekten Leben zu verhelfen, scheitern . Sie wollen nicht ein anständiges Leben führen, sondern weiterhin ein raues Leben der Vagabunden führen.
Da Fortuna sich nun geschlagen geben muss und letztlich die wahre Liebe gesiegt hat, ist es Fortunas Tochter Brillantine und Hilaris, eines alten Feen-Zauberers Sohn, gestattet zu heiraten, denn Amorosa sorgt dafür, dass sich Zwirn und Knieriem in zwei Mädchen verlieben und so doch noch ihr wildes Leben beenden und glücklich werden. Der böse Geist Lumpazivagabundus kann letztendlich gebannt werden und aus dem Feenreich vertrieben werden.
Der Tischlergesell Leim ist die wohl vernünftigste Person der Truppe, allerdings klagt er oftmals über sein gebrochenes Herz. Seine einzige und wahre Liebe ist eines berühmten Wiener Tischlermeisters Tochter, Peppi. Wegen eines großen Missverständnisses sah sich Leim vor einiger Zeit gezwungen, seine Geliebte zu verlassen. Ob sie ihn auch geliebt hat oder nicht, war ihm gänzlich unklar, bis zu dem Zeitpunkt, als Leim durch die in der Lotterie gewonnenen 100 000 Taler wieder neuen Mut fasst, die Hoffnung nicht loslässt und alles auf eine Karte setzt, indem er sich zu ihr begibt: Leim: Ich reis nach Wien, morgen in aller Früh’ ; find’ ich meine Peppi noch ledig, so bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt; ist sie verheiratet, so nutzt mir der ganze Reichtum nichts. (Seite 28/ Zeile 16) Er ist der einzige der drei Handwerksburschen, der sein Glück weder mit den Füßen tritt, noch zum Fenster hinauswirft. Sein einziges Begehr ist es, sich mit Peppi zu vermählen und ein wohlhabendes Leben mit ihr zu verbringen, was ihm letztlich auch gelingt. Zudem versucht er, von seiner Gutmütigkeit veranlasst, seine zwei Freunde mit Geldversprechen auf den rechten Pfad zu geleiten und ihnen treu zu sein: Leim: Schau’, damit du siehst, dass ich dein wahrer Freund bin, so leg ich für dich hundert Dukaten an; die kriegst aber nicht eher, als bis du dich fest und ordentlich anlässig machst. Außer dem hast du keinen Groschen von mir zu erwarten. (Seite 65/ Zeile 9) Seine Bemühungen scheitern allerdings kläglich.
Der prunksüchtige Schneidergesell ist die wohl geldgierigste und wollüstigste Person des gesamten Kabinetts. Besonders deutlich wird seine Gier nach Geld in der Szene, als die drei Burschen versuchen, sich ein Lotterielos zu erhaschen und Zwirn versucht sich unrechtmäßig eines Talers zu bemächtigen: Hausierer: Ja wo ist denn der Taler? Leim: Da hab’ ich ihn hergelegt! (Seite 25/ Zeile 34) --- Kniereim: Haben wir dich erwischt!? Zwirn (den Taler zurückgebend): Nur nit kindisch – ich hab den Taler nur wechseln wollen. Knieriem: Ja, du bist der, der’s Geld wechselt. (Seite 26/ Zeile26) Auch in seinem Aufenthalt in Prag schenkt sich der Schneider jeden erdenklichen Luxus: Zwirn (allein, tritt in einem modernen Palmenschlafrock auf): Jetzt bin ich schon über ein viertel Jahr hier in Prag etabliert – ist das ein Leben in dem Prag, wenn der Mensch ein Geld hat! (Seite 36/ Zeile 34) Doch nicht nur Geldgier, sondern auch sein sexueller Trieb macht Zwirn zum wohl unsympathischsten, jedoch nicht weniger lustigen Hauptdarsteller: Peppi: Es freut mich herzlich, die alten Freunde meines Mannes kennenzulernen. Zwirn (sehr elegant): Erlauben Sie mir, Ihre schöne Hand zu küssen – und daß das die andere Hand nicht böse wird – und dass das liebe Goscherl da nicht böse wird – (Will sie küssen.) (Seite 58/ Zeile 29)
Knieriem gleitet ohne Hoffnung und Anstand durch's Leben. Da er fest der Überzeugung ist, dass die Welt ohnehin im kommenden Jahr zugrunde gehen wird, gibt es für ihn keine Motivation, ein anständiges Leben zu führen: Peppi: Er muss solid werden, Er muss sich bessern. Knieriem: Nein, das tu’ ich nicht. – Es ist nicht der Müh’ wert wegen der kurzen Zeit. In ein’ Jahr kommt der Komet, nachher geht eh’ die Welt z’grund. (Seite 60/ Zeile 12) Sein einziger Begehr ist es, sich möglichst stark zu betrinken, da er zudem große Angst vor Kometen zu haben scheint: Kniereim: Und ich hab’ mir a halbe Stund’ von hier ein’ Rausch aus’gschlafen, das war aber schon ein Millionshaarbeutel, das – und was hab’ i trunken? Neun halbe Bier; aber seit dem letzten Kometen greift mich alles so an. (Seite 12/ Zeile 27) Neben seinem stupiden Alkoholikerproblem, überrascht der Schustergesell, dessen Leidenschaft der Astronomie gilt, sogar mit einer durchaus plausiblen und intelligenten Aussage: Knieriem: Die glaubt nicht an den Kometen, die wird Augen machen. – Ich hab’ die Sach’ schon lang’ heraus. Das Astralfeuer des Sonnenzirkels ist in der goldenen Zahl des Urions von dem Sternbild des Planetensystems in das Universum der Parallaxe mittelst de Fixstern-Quadranten in die Ellipse der Ekliptik geraten; folglich muss durch die Diagonale der Approximation der perpendikulären Zirkeln der nächste Komet der Welt zusammenstoßen. (Seite 61/ Zeile 1) Da in Knieriems Berechnungen scheinbar doch mehrere Irrtümer festzustellen sind, bleibt der Komet zum Wohlergehen aller aus und nach der Verbannung Lumpazivagabundus' gesinnt sicht der Schuster doch noch eines anständigen Lebens.
Über den bösen Geist wird in Nestroys Werk nur relativ wenig preisgegeben. Sein einziger, aussagekräftiger Auftritt wird zu Beginn der Posse, in der Szene, die sich im Feenreich abspielt, gezeigt: Lumpazivagabundus: Der bin ich und zugleich Beherrscher des Lustigen Elends, Beschützer der Spieler, Protektor der Trinker etc. etc.; kurzum, ich bin ein Geist aus dem Feenreich. Sein Charakter besticht durch freches Gerede und zum Teil durch zwieträchtige Gestik: Stellaris (der Feenkönig): Du hast meinen Urteilsspruch mit Hohngelächter erwidert? Lumpazivagabundus: Natürlich, weil er nichts nutzt. Ob ich da bin oder nicht, diese jungen Herren bleiben auf alle Fäll’ meine getreuen Anhänger; denn meine Grundsätze leben in ihnen fort. (Seite 6/ Zeile 30) Zudem geht aus dieser Textstelle auch deutlich hervor, dass sich der Geist seines Treibens sehr sicher und zuversichtlich ist. Fürchten scheint er sich einzig und allein vor der Hüterin der wahren Liebe, Amorosa: Lumpazivagabundus: Amorosa ist’s, die Beschützerin der wahren Liebe! (Seite 8/ Zeile 27) Lumpazivagabundus: Sie naht schon, die Mächtige, die mir oft meine fidelsten Brüder entreist! Aber noch einmal, Madame Fortuna, Sie fürcht’ ich nicht; denn was meine wahren Anhänger sind, die machen sich nicht so viel aus Ihnen.
Quelle : Wikipedia