Bericht zur Premiere " Der widerspenstigen Zähmung" 3.Juli 2004 RHV
| Heiße Wortgefechte | |||||
| ,Der Widerspenstigen Zähmung‘ im Rother Schlosshof | |||||
Stammregisseur Werner Müller hat bei seiner Adaption für die Freiluftbühne im Hof des Schlosses Ratibor den Text aus dem elisabethanischen Zeitalter relativ behutsam, aber umso kongenialer modernisiert. Müllers längst dem Laienstatus entwachsene Semiprofi-Truppe darf also streckenweise in Jamben und Hexametern deklamieren — das aber so flüssig und mit so viel geschärftem Dialogwitz, dass die zeitliche Distanz fast bis zur Bedeutungslosigkeit schrumpft. Burschikos Machtkämpfe zwischen Mann und Frau sind eben kein auf eine bestimmte Epoche begrenztes Phänomen. Nur die Einstellung dazu hat sich gewandelt. Während ein Mädel wie die kratzbürstige Katharina, der Karin Winterhager burschikose Energie und ironischen Humor mitgibt, in Renaissance und Barock das tradierte Rollenverständnis sprengte und daher unterdrückt werden „musste“, wird die Selbstständigkeit der Frau zumindest in den westlichen Gesellschaften (Ausnahmen bestätigen die Regel) kaum mehr infrage gestellt. Nun war Shakespeare ein augenzwinkernder Visionär, der die Veränderung in der Verteilung der Kompetenzen und Rechte schon heraufdämmern sah. So leidet das männliche Personal seiner Komödie von vornherein unter einem solchen Übermaß an Macken, Eitelkeiten und Fehlprogrammierungen, dass die Frauen mit diesen Karikaturen recht leichtes Spiel haben. Brillant überzogen Da ist Katharinas Freier Petruccio, in Thomas Schattners brillant überzogener Darstellung ein reicher, selbstverliebter Schnösel, der mindestens eben so viel „Erziehung“ braucht wie sein wunderschöner Widerpart: Hier schleifen sich zwei ebenbürtige Sparringspartner gegenseitig ihre charakterlichen Kanten glatt, mal mit heißen Wortgefechten, mal mit wilden Balgereien, die gerade noch so eben jugendfrei sind — zotige Zweideutigkeiten gehören bei Werner Müller zum Konzept. Auch das Buffopaar Grumio — Fiametta war bei Shakespeare so nicht angelegt. Karl Schnitzlein und Beate Hammerl sorgen für die Slapstick-Komponente des launigen und vor allem temporeichen Spiels; sie verbergen ihre Liebe hinter allerlei Boshaftigkeiten und bilden so das bodenständige Gegengewicht zu Katharinas und Petruccios intellektuelleren Schlagabtäuschen. Hier ist wenig wie es scheint. Selbst Katharinas Schwester Bianca wirkt bei Esther Schattner eher durchtrieben denn tugendhaft — eine hübsche, zu verwöhnte Society-Sexhexe, die mit Liebhabern spielt wie mit Figuren auf einem Schachbrett. Ihr Zukünftiger Lucentio ist zu bedauern, zumal ihm Klaus Metzger alle Merkmale eines sanften Trottels mit auf den Weg gibt. Die Männer haben hier also eigentlich wenig zu lachen. Trotzdem singen sie mit ihren Frauen schwärmerische Canzoni zur Gitarrenbegleitung von Günther Fink. Ein dramaturgischer Kunstgriff, der mehr ist, als ein Farbtupfer. Denn die Musik schafft es im Handumdrehen, eine zeitlose Lustspiel-Atmosphäre zu schaffen. Die sich lustvoll beharkenden Liebenden könnten auch heute leben. Oder in 100 Jahren. Sie „zähmen“ sich gegenseitig, bringen einander bei, dass zu den wichtigsten Dingen im Leben der gegenseitige Respekt gehört — dann braucht es keine Hierarchien mehr, kein Oben und kein Unten. HANS VON DRAMINSKI Immer wieder ging der bange Blick zum Himmel. Doch die (sicherheitshalber) mitgebrachten Schirme wurden zum Glück nicht benötigt. Als sich die Rother Schlosshofspieler am Samstagabend „Der Widerspenstigen Zähmung“ widmeten, fiel nicht ein einziger Regentropfen. So mussten Akteure und Gäste nicht in den Prunksaal des Schlosses Ratibor umziehen und hatten gemeinsam viel Spaß am frischen und farbenfrohen Spiel und den spritzigen Dialogen. Als Lohn gab es am Ende aus dem Zuschauerraum (in dem zur Premiere doch noch einige Plätze frei geblieben waren) viel Applaus und vom Rother Bürgermeister Richard Erdmann Blumen für die Damen und eine Flasche Wein für die Herren. |
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| 5.7.2004 0:00 MEZ | |||||
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